NEUN – Eine Heilung

Ein Enkel Rabbi Schlomos erzählte: Zu einem Zaddik kam ein Mann, dessen Seele hatte sich in eine Wirrnis unheimlicher Anwandlungen verwickelt, die man gar nicht niederschreiben kann. „Ich vermag dir nicht zu helfen“, sagte der Zaddik, „du mußt zu Rabbi Schlomo von Karlin gehen.“ So kam er zu meinem Großvater, just in der Stunde, da er die Chanukkalichter ansteckte und dabei Psalmen sprach, wie es sein Brauch awr. Der Mann blieb stehen und hörte zu. Mein Großvater sprach weiter, ohne sich umzusehn. Als er aber zu den Worten kam: „Und er entriß uns unsern Bedrängern“, wandte er sich zum Gast, klopfte ihm auf die Schulter und fragte: „Glaubst du, daß Gott uns aller Bedrängnis entreißen kann?“ „Ich glaube“, sagte jener. Von Stund an war er aller Anwandlungen ledig.“

MARTIN BUBER: Chassidim, 428. in: Heilende chassidische Geschichten, Martin Buber für Gestalttherapeutinnen und Gestalttherapeuten, Peter Hammer Verlag, S. 51 

Schlagwörter