23 12 Die Sonne

Wie die Sonne gestohlen wurde Teil 2

Die Tiere hatten alles mit angesehen und machten sich sogleich über die heiligen Medizinbeutel her, um sie zu öffnen. Da fanden sie die Sonne, den Mond und die Sterne, die von der Erde verschwunden waren! Rasch warfen sie diese Beute hinunter auf die Welt, wo der Schnee sogleich zu schmelzen begann, als die Sonne plötzlich wieder schien.

Anschließend machte sich die Abordnung auf den beschwerlichen Rückweg, der allerdings nicht ohne Unfälle abging. Bison, seit jeher ein ungeschickter Geselle, der zudem noch äußerst kurzsichtig war, trat dem Biber aus Versehen auf den Schwanz. Das Blut spritzte über die Wildkatze, die neben dem Biber ging. Seit dieser Zeit hat die Wildkatze dunkle Streifen auf ihrem Fell, während der Biber mit einem platten Schwanz durch Leben gehen muß. Der Elch stolperte über seine eigenen Beine und fiel auf die Nase; noch heute ist sie davon krumm und geschwollen. Die drei kleinen Bären aber folgten den übrigen Tieren aus reiner Neugierde.

Am Ende erreichten die Tiere die Erde; aber wie erstaunt waren sie, als sie nur eine riesige Wasserfläche vor sich sahen, aus der auch nicht ein einziger Baum ragte. Weit und breit war kein Land zu sehen, und niemand wußte sich einen Rat. Schließlich entdeckten die Fische, die bisher brav auf dem Lande gelebt hatten, daß sie schwimmen konnten. So nahmen sie ihre Gefährten auf den Rücken und schwammen davon, trockenes Land zu suchen. Die Enten aber bemühten sich vergeblich, das Land an die Oberfläche zu ziehen; ein Unterfangen, das sie seitdem noch nicht ganz aufgegeben hatten, denn jedesmal, wenn sie im Wasser sind, versuchen sie es von neuem.

Als die Fische müde wurden, schickte man die Vögel aus, um nach dem Lande Umschau zu halten. Ein sehr bunter Vogel, der sich auf sein Gefieder viel einbildete, war der Rabe. Er war ebenfalls auf die Suche gegangen. Aber statt sich anzustrengen, fand er einen alten Knochen, den er abzunagen begann. Zur Strafe wurde er ganz schwarz und verlor zu allem Überfluß auch noch seine schöne Stimme. Obgleich er bisher nur Körner und Beeren gefressen hatte, darf er nun nichts wie Abfälle verzehren und muß von dem leben, was andere fortwerfen.

Nach langer Suche fand das Schneehuhn schießlich trockenes Land, und zur Belohnung darf es seit dieser Zeit zwei Kleider tragen, ein weißes im Winter und ein braunes im Sommer. alle Tiere machten sich auf, um sich ein trockenes Plätzchen zu suchen, und als sie an Land stiegen, wurden sie von den Zurückgebliebenen freudig begrüßt. Langsam verlief das Wasser, aber das alte Leben wollte sich nicht wieder einstellen. Jedes Tier zog in eine Gegend, die ihm besonders gefiel. Die Fische blieben im Wasser, die Hirsche zogen in die Wälder, der Biber, der sich seines platten Schwanzes wegen nicht mehr in der Gesellschaft anderer wohlfühlte, ließ sich mitten im See nieder, wo ihn niemand besuchen konnte. Die Vögel flogen in alle Richtungen, und der Elch zog in den Sumpf, um seine Nase zu kühlen. Langam vergaßen die Tiere ihre gemeinsame Sprache. Lange Zeit danach sind die ersten Menschen ins Land gekommen.

Juchhuu mit Teil 2 des Schöpfungsmärchen der Yellow Knives Natives aus dem Buch „Nordamerikanische Indianermärchen" bin ich wieder uptodate.

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