Minderwertigskeitsgefühle

prof3nDiesen Beitrag hab ich im August 2012 geschrieben, jetzt veröffentliche ich ihn neu, weil ich dazu immer noch stehe: Worte zum Gefühl der Minderwertigkeit, ein paar unvollendete Gedanken dazu.

In meinem – doch schon etwas längerem – Leben habe ich schon viele Seiten davon in mir ent-deckt – aufgedeckt – bewußt gemacht. :-)))

Durch meine Familiengeschichte und durch meine katholisch-religiöse Erziehung in den 60er/70er Jahren und durch.. ich weiß nicht, was noch alles…. war/ist dieses Gefühl in mir einfach vorhanden. In jungen Jahren, war ich mir dieser Anteile nicht sehr bewußt. Sie prägten mein Leben aus dem Dunklen heraus. Das tut nicht gut und führte zu vielfältigen Verletzungen von mir und von anderen. Heute kann ich das Gefühl meistens bewußt wahrnehmen und anschauen. Ich trete in Kontakt zu ihm und erkenne es an.

Ich finde es gefährlich für Geist und Seele solche Gefühle zu verdrängen, denn dann beeinflussen sie mich auf hinter-hältige Weise auf allerlei Arten

– so, daß sie mein Leben einschränken und ich dieses und jenes nicht mache, dass ich gerne tun würde

– so, daß ich es auf andere projeziere und diese für minderwertig und wertlos halte und sie so behandle

– so, daß ich erwarte, dass andere mir diese „Wert-volligkeit“ zuspreche, die ich mir selbst nicht schenken kann

so, daß ich in eine negative Denk- und Glaubensspirale gerate und darin lebe und aus diesem Gefängnis auch nicht mehr rausfinde

– so, daß ich mir eine Welt konstruiere, die zu diesem Gefühl und Erfahrungen passt

und so weiter…..

All das macht mein ICH aus und entfernt mich aber von meinem wahren Wesen. Für mich ist auch das „positive Denken“ kein sehr hilfreicher Weg der Heilung. Desöfteren ist dieser Ansatz in meinen Augen eine ganz perfide Art der Verdrängung. Dieser manchmal darin enthaltene Wunsch nach „positiver Perfektion“ macht krank.

Natürlich ist es hilfreich und wertvoll, die negativen Gedanken, die mich überfluten und niederdrücken durch positive Gedanken und Wahrnehmungen „in die Schranken“ zu weisen. Ob durch positive Wahrnehmungen, wie z.B. die Wunder der Natur oder durch frohe, freudige und mutmachende Handlungen und Gedankenübungen…

Das ist hilfreich, denn es läßt die Luft raus, aus dem aufgepauschten niedermachenden Energiefeld. Ein Werkzeug auf dem Weg der Heilung durchaus, gerade wenn das Gefühl der Minderwertigkeit zuviel Raum im Leben einnimmt. Gleichgewicht schaffen ist ein wichtiger Schritt auf dem Heilungsweg. Doch kann das „zwanghafte“ positiv sein – auch zu Verdrängung führen, was die Symtome der Minderwertigkeit auf Dauer noch verstärkt. Das Gefühl sucht sich seinen Weg ins Bewußtsein, wie auch immer. Weglaufen, beständiges Wegschauen ist in meinen Augen kein dauerhafter Lösungsansatz.

Es bedarf eines liebevollen, bewertungsfreien Hinschauens. Eines Ja´s. Ja ich kenne dich. Du bist da. Du bist derzeit ein Teil von mir. Mit Hinschauen meine ich jetzt nicht ein „aufgehen“ in diesem Gefühl. Ich meine kein unbewußtes „füttern“ und eine dadurch enstehende Verstärkung. (Bewußt „füttern“ ist allerdings eine interessante Methode… hihihi)

Wichtig ist Selbst-Bewußtsein. Das Wort wird oft verwechselt mit Selbstsicherheit und Selbst-nur-positivheit! Selbst-Bewußtsein: Ich bin mir meiner bewußt. Dazu gehört positives wie negatives, lichtes wie dunkles… usw.

Selbstbewußt –> das Gefühl der Minderwertigkeit kann sich nicht mehr verstecken, es kann mich nicht mehr aus dem Dunklen heraus angreifen und manipulieren. Es darf einfach da sein. Ich kann es anschauen und würdigen als ein Gefühl, ein Empfinden das ich habe. Es braucht sich nicht mehr durch die Hintertür in meinen Alltag einschleichen. Es hilft ein Blick „von außen“, der auf dieses Gefühlsgeschehen schaut. Bewußtmachen-werden-sein ist heilsam. Das gibt Klarheit.

z.B. „Ich kann das nicht“ kann heißen, dass mir meine Minderwertigkeit einen Strich durch die Rechnung machen will, oder es kann heißen, dass ich es halt einfach nicht kann, ganz sachlich, bewertungsfrei :-)))). Wenn ich ehrlich zu/in mir selbst sein kann, dann kann ich es auch in meinen Beziehungen sein.

Ich bin wertvoll – völlig unabhängig von meinen Stärken und Schwächen, sondern einfach weil ICH BIN.

Amen.

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